ESRA ist das Psychosoziale Gesundheitszentrum und Partnerorganisation der IKG Wien.

Mag. Sophia Sigl-Rath, Klinische und Gesundheitspsychologin in ESRA, zu Einnässen bei Kindern

Das Einnässen – ob am Tag oder in der Nacht – ist im Kindesalter häufig und gehört oft zu einem normalen Reifungsprozess. Erst wenn ein Kind älter als fünf Jahre ist und keine organischen Ursachen vorliegen, sprechen Fachleute von Enuresis (nächtlichem Einnässen) oder funktioneller Harninkontinenz (am Tag).

Normale Entwicklung

Viele Kinder erlangen schon im 3. Lebensjahr eine sichere Blasenkontrolle, doch das Alter dafür variiert stark. Noch etwa ein Viertel der Vierjährigen nässt nachts und rund 10% tagsüber regelmäßig ein – völlig normal in diesem Alter.

Häufige Ursachen am Tag

Einnässen am Tag hat meist keine körperliche Ursache. Es kann verschiedene Formen annehmen: Überaktive Blase (Dranginkontinenz): Das Kind muss plötzlich und häufig auf die Toilette, entleert aber nur kleine Urinmengen (häufiger bei Mädchen). Harninkontinenz bei Miktionsaufschub: Kinder verschieben den Toilettengang, z.B. weil sie beim Spielen nicht gestört werden wollen. Dyskoordinierte Miktion: Blasenmuskel und Schließmuskel arbeiten nicht richtig zusammen.

Einnässen in der Nacht

Wenn Kinder nachts einnässen, liegt meist eine verzögerte Reifung der Blasenkontrolle vor. Manchmal spielen auch Lebensereignisse oder Stress (z. B. Schulbeginn, Geburt eines Geschwisterkindes) eine Rolle. Häufig geht die Enuresis mit Traurigkeit oder geringem Selbstwertgefühl einher, was sich meist nach dem Trockenwerden wieder legt. Auch Kinder mit ADHS sind häufiger von Enuresis betroffen.

Wie Eltern unterstützen können

Eltern können viel dazu beitragen, dass ihr Kind Vertrauen in den eigenen Körper entwickelt:

  • Ein kindgerechtes, druckfreies Toilettentraining ist entscheidend. Beginnen Sie, wenn das Kind Interesse zeigt (meist zwischen 18 und 24 Monaten).
  • Geduld, Verständnis, Ermutigung und Lob helfen mehr als Strafen oder Druck.
  • Kinderbücher zum Thema helfen, indem sie Informationen über die Blase, deren Funktionen und den Zusammenhang mit dem Ess- & Trinkverhalten bereitstellen und entmystifizieren, aber auch dem Gefühl von „es betrifft nur mich/ mein Kind“ entgegenwirken.
  • Bequemer Toilettensitz, womöglich mit Sitzverkleinerung und Fußbank
  • Aufklärung und kleine Wahrnehmungsübungen helfen, die Signale des Körpers (Harndrang) besser zu erkennen.
  • Belohnungssysteme können ein Ansporn für Kinder sein, regelmäßig und rechtzeitig auf die Toilette zu gehen (z.B. Sticker, Punkte).
  • Ausreichend und regelmäßig tagsüber Trinken (z.B. 7 Becher über den Tag verteilt, der letzte 2 Stunden vor dem Schlafengehen); Abends nur mehr wenig trinken, aber nicht verbieten.
  • In Tagebüchern oder „Sonnenkalendern“ können trockene Tage oder Nächte markiert werden, um den Kindern den Fortschritt sichtbar zu machen.
  • Bei älteren Kindern (ab ca. 7 Jahren) hat sich bei Enuresis auch die verhaltenstherapeutische „Klingelmatte“ bewährt – durch das Klingeln soll das Kind aufwachen und selbstständig auf die Toilette gehen.
  • Wenn alle Maßnahmen zu keiner Besserung führen, gibt es auch Medikamente, welche (zumindest vorübergehend) zu trockenen Nächten verhelfen können; dies ist besonders bei Klassenfahrten oder Übernachtungen hilfreich.
  • Nächtliches Aufwecken durch die Eltern bringt meist keine langfristige Besserung, weil das Kind dadurch keine eigene Blasenkontrolle lernt.

Wann ärztliche Abklärung sinnvoll ist

Wenn das Kind nach dem 5. Geburtstag regelmäßig einnässt oder neu wieder einnässt, sollte eine ärztliche Abklärung erfolgen, um körperliche Ursachen auszuschließen und die geeignete Unterstützung zu planen.

Die Mitarbeiter*innen von ESRA unterstützen Sie wie immer gerne vertraulich, kostenlos und unkompliziert. Rufen Sie uns an, wir sind für Sie da!

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